Die Schülerin Selin Ay besucht aktuell die Klasse 8c der THRS in Hockenheim. Dass sie Geschichten und Bücher schreibt und diese auf einer Internetplattform namens „Wattpad“ veröffentlicht, wissen nur wenige. Selins Pseudonym auf dieser Plattform lautet „erdbeerschokolade123“.Wir haben mit Selin ein Interview geführt und mit ihr auch über ihr aktuelles Buch „Bin ich denn so anders?“ gesprochen.

Der Inhalt des aktuellen Buches in Kürze: Lisa. Ein Mädchen, welches optimistisch durchs Leben geht, jedoch immer wieder aufs Neue enttäuscht wird. Von Freunden im Stich gelassen, von Fremden schräg angeschaut. So sieht Lisas Leben aus. Dann passiert ein schrecklicher Unfall, der alles auf den Kopf stellen wird und ihr eine Frage durch den Kopf lockt: Was ist der Sinn des Lebens? Große Entscheidungen müssen getroffen, dunkle Geheimnisse offenbart und viele Fragen beantwortet werden. Dabei stellt sich heraus, dass Lisa alles andere als normal zu sein scheint.

Viele Schülerinnen und Schüler kennen die Plattform nicht, auf welcher du deine Geschichten veröffentlichst. Was ist „Wattpad“?

Zu allererst möchte ich sagen, dass es mich freut, dass Sie Interesse zeigen. „Wattpad“ ist eine kostenlose Plattform, um Texte beziehungsweise Geschriebenes auf dem Handy zu lesen. Autoren und Verleger haben sich ebenfalls dort angemeldet und hinterlassen Kommentare. Die Plattform soll schätzungsweise 45 Millionen Besucher haben. Die Altersgruppe, welche die Plattform besucht, liegt zwischen 10 und 45 Jahren. Meine Leser sind überwiegend zwischen 10 und 13 Jahren alt.

 

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Eine Freundin hat eine Kurzgeschichte auf ihrem PC geschrieben. Ich habe ebenfalls eine Kurzgeschichte geschrieben, als ich in die fünfte Klasse gegangen bin. Zu dieser Zeit ging es mir nicht so gut – da hat mir das Schreiben geholfen. Ich habe mich anfangs nicht getraut meine Geschichten zu veröffentlichen, obwohl einige Mitschülerinnen und Mitschüler bewunderten, dass ich so etwas mache und mir das auch gesagt haben. Also habe ich mich getraut etwas auf „Wattpad“ zu veröffentlichen und habe viel positives Feedback auf meine Veröffentlichungen bekommen. Besonders das positive Feedback einer Studentin hat mich darin bestärkt, die Sache zu verfolgen.

 

Ist das Buch, an dem du gerade schreibst, autobiographisch?

Nein, ist es nicht. Andere Menschen, die ich getroffen habe, berichteten mir davon gemobbt zu werden und das habe ich in die Story des Buches mit eingewebt und auch ein paar kleine Geschehnisse aus meinem Leben wurden miteingebaut.

 

Warum hast du gerade das Thema Mobbing in deinem aktuellen Buch aufgegriffen?

Einerseits, da Freunde von mir Erfahrungen damit gemacht haben, andererseits, da ich das Thema allgemein sehr interessant finde. Im Rahmen meiner Recherchen, die ich natürlich auch betreiben muss, informiere ich mich auf Internetforen und mittels Fachbüchern und spreche mich ebenfalls mit Fachleuten ab.

 

Worum geht es in deinem Buch? Welches Ziel verfolgst du?

In meinem Buch geht es um ein Mädchen namens Lisa, welches vieles in Frage stellt und an sich zweifelt. Man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, dass sie bereits depressive Züge zeigt. Ich möchte meinen Lesern die Möglichkeit geben sich in jemanden hineinzuversetzen, der gemobbt wird.

 

Glaubst du, dass das Buch Leuten helfen kann, die gemobbt werden?

Ich würde sagen, dass das Lesen des Buches nicht nur bei Mobbing helfen kann, sondern auch denen, die sich in einer Phase befinden, indem sie sich einfach viel mit sich selbst auseinandersetzen.

 

Hast du den Inhalt und den Ausgang des Buches bereits komplett geplant?

Nein, ich plane so etwas nicht. Ich möchte kreativ sein und möchte mich nicht selbst ausbremsen durch Auflagen, die ich mir irgendwann mal selbst gemacht habe. Wenn ich eine neue Geschichte beginne, investiere ich anfangs bis zu zwei Stunden am Tag. Ich schreibe ja nicht nur die Kapitel herunter sondern ich muss sie auch gegebenfalls mehrmals überarbeiten.

 

Wann denkst du, wird dein Buch fertig sein?

Geplant war, dass das Buch Ende 2016 fertig ist. Dennoch möchte ich mich zeitlich nicht unter Druck setzen, da ich es freiwillig in meiner Freizeit schreibe und nicht erzwinge. Wenn ich entschieden habe, dass das Buch fertig ist, werde ich es an einen Verlag nach Stuttgart schicken, der es eventuell veröffentlicht.

 

Wie viele Online- Leser hast du schätzungsweise?

Schätzungsweise habe ich um die 2000 Leser, wenn man den Klickzahlen Glauben schenken darf.

 

Hast du auch schon ein neues Projekt im Kopf?

Ja, habe ich. Schreiben ist meine Leidenschaft, praktisch eine Art von Kunst, indem mein Stift die Tatwaffe für meine Gedanken und Fantasien in Worten auf ein Papier zu bringen ermöglicht. Aktuell arbeite ich parallel an drei weiteren Büchern, Auch bei diesen Büchern möchte ich mich zeitlich nicht unter Druck setzen, sondern ich arbeite an ihnen nach Lust und Laune weiter.

 

Kannst du dir eine Zukunft als Schriftstellerin vorstellen?

Nein. Ich möchte, dass das Schreiben ein Hobby bleibt, denn ich kann nicht voraussagen, dass das Schreiben für mich als Beruf meine Fantasie erblühen lassen würde. Momentan kann ich mir vorstellen, Logopädin zu werden.

 

Gibt es noch etwas, das du den Lesern dieses Interviews mit auf den Weg geben möchtest?

Bevor Menschen meine Geschichten lesen, kriege ich oft zu hören: „Wie kannst du mit deinen 13 Jahren Themen wie Mobbing oder Reife in deinen Geschichten aufgreifen?“ Oftmals sind genau diese Menschen, die dann aber nach dem Lesen meiner Geschichten überrascht sind, dass ich es doch kann. Ich setze mich mit komplexen Themen auseinander, nehme konstruktive Kritik ernst und arbeite an mir selbst. Gelernt habe ich auch, dass man Gedanken nicht einfach „wegschmeißen“ sollte, sondern auch dazu bereit sein sollte, diese zu „entschlüsseln“. Das Unperfekte macht uns Menschen doch erst für andere perfekt...

 

(Das Interview führten die Lehrerinnen Britta Veser und Kristin Lukey)