„Wir haben das Beste aus der Situation gemacht und das eine oder andere werden wir weitermachen“, so fasst Jürgen Wolf, der Schulleiter der Theodor-Heuss-Realschule Hockenheim, die Zeit der Schulschließung und den aktuellen reduzierten Pandemiebetrieb an seiner Bildungseinrichtung zusammen.

Als Mitte März die Schulen geschlossen wurden, war Wolf noch in Kur – bis dahin managte Konrektor Robin Pitsch mit dem Schulleitungsteam die Zeit in den Lock Down – das Wichtigste in dieser Kurzfristigkeit für die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler: Kontakt halten, über Telefon und eMail und vor allem über die Schulhomepage auf der zunächst in Wochentranchen die Lernmaterialien heruntergeladen werden konnten.

„Aber ziemlich schnell wurde dann in der unterrichtslosen Zeit klar, dass wir, wenn wir alle Schülerinnen und Schüler durchgängig erreichen wollen, andere und strukturiertere Wege gehen mussten als Homepage und eMail“, sagt Wolf. In mehreren Online-Konferenzen habe man über machbare, aber professionelle Lösungen der „Online-Beschulung“ nachgedacht, wobei wichtig war, dass diese Lösungen optimalerweise über Corona hinaus den Schulalltag ergänzen können.

„Wir haben – neben dem Online-Unterricht via Videokonferenzen – drei zentrale Standbeine zum schulischen Gelingen aufgebaut, die wir unabhängig von Schulschließungen nutzen. Im Fall der Fälle aber können wir bei einem erneuten Lock Down reagieren.“

Um alle Schüler durchgängig erreichen zu können richtete die Schule zuerst einen datenschutzkonformen Messenger-Dienst (Sdui) ein, zu dem alle Lehrkräfte, alle Schülerinnen und Schüler und alle Eltern einen personalisierten Zugang haben. „Der Rollout, also die Installation, Weitergabe der Zugangsdaten und das erste Einloggen sowie die digitale Einrichtung war nicht nur für unseren Administrator Manuel Altenkirch ein Kraftakt, teilweise mussten die Lehrkräfte die Installation bei Schülern und Eltern telefonisch anleiten. Aber immerhin haben nun jeder einen Zugang“, so Wolf weiter. „Über diese App, die jeder auf dem Handy oder auf dem PC installieren kann, haben wir unseren Unterricht organisiert, aktuell nutzen wir es vor allem, um Informationen zu verschicken – somit entfällt nebenbei ein großer Teil an Zettelwirtschaft“, ergänzt Robin Pitsch.

Es folgte die Einrichtung der Lernplattform „Moodle“, die das Land Baden-Württemberg kurzfristig für die Schulen bereitgestellt hatte. „Für uns alle war das nicht nur ein neues, sondern vor allem ein anderes Arbeiten – es sind völlig verschiedene Dinge, normalen Unterricht vorzubereiten oder aber eine Lernplattform gestützte Einheit zu planen. Es dauert zum einen viel länger, zum anderen müssen die Lernschritte sehr kleinteilig durchdacht sein, dass die Schüler, die sich den Stoff in der Regel allein aneignen, auch nachvollziehen und verstehen können. Wir haben im Kollegium – auch nach den Schulöffnungen – nahezu jeden Tag eine interne Fortbildung gehabt, die unsere Kollegen selbst gegeben haben.“ Die Nutzung von Moodle erfordert auch von den Schülerinnen und Schülern viel Übung, denn ganz so intuitiv ist die Benutzeroberfläche nicht. Sinnvoll für die weitere nach-oder-während-Corona-Nutzung ist Moodle vor allem als Datenablage durch Lehrkräfte für die Vor- und Nachbereitung von Unterrichtsstunden, die digitale Test- und Hausaufgabeabgabemöglichkeit.

„Als Drittes haben wir vor allem für die Fächer Deutsch und Englisch die Schullizenz der sehr bedienerfreundlichen Lernapp Anton erworben. Hier können fachliche Grundlagen z.B. im Rechnen, Rechtschreiben oder Sprachbetrachtung geübt und vertieft werden. Für die Lehrkräfte einfach zu administrieren, für Schülerinnen und Schüler motivierend“, erklärt Pitsch. Diese Lernapp könne auch prima parallel zum Präsenzunterricht laufen, z.B. als Hausaufgabenwiederholung.

„Unser gesamtes Kollegium hat hier bei den ganzen Maßnahmen mitgezogen – das macht mich sehr stolz. Immerhin ging es hier um eine grundlegende Änderung des eigenen Arbeitens, das dies in relativ kurzer Zeit funktioniert hat, ist nicht selbstverständlich. Ich danke allen ausdrücklich“, freut sich der Schulleiter.

Zudem hat die THRS zahlreiche Endgeräte (Tablets) angeschafft, die im Falle eines erneuten Lockdowns an jene Schüllerinnen und Schüler verliehen werden können, die keine eigenen Endgeräte haben.

Die Schulgemeinschaft habe noch einiges vor sich. Denn bislang ist noch nicht klar, wie man konkret ins neue Schuljahr startet. Neben der Sanierung des Schulzentrums, die auch der THRS eine Unterrichtscontaineranlage beschert, steht das große Thema Digitalisierung an. Die Corona-Krise habe hier sicherlich eine Katalysatorfunktion gehabt. „Wir erarbeiten gerade ein tiefgängiges Konzept ‚Digitalisierungsschub THRS Hockenheim‘, mit dem wir diesen gesamtgesellschaftlichen Wandel nicht nur begegnen, sondern im Sinne unserer Schülerinnen und Schüler mitgestalten wollen“, sagt Pitsch.

Sicher aber sei zumindest, dass Sdui, Moodle und Anton eine Rolle spielen werden.