Seit diesem Jahr unterstützen zwei Freiwillige die pädagogische Arbeit an der THRS: Céline Fontaine hörte von der Ausschreibung im März und bewarb sich sofort. Die zielstrebige Neulußheimerin will Lehrerin werden und freut sich für ihre Orientierung über den „Einsatz an der Front“, nämlich im Unterricht. Sebastian Geschwill aus Oftersheim hingegen wollte für sein FSJ eigentlich nach Peru, corona-bedingt sattelte er um absolviert nun das überhaupt erst seit diesem Jahr existente FSJ-digital, bei dem auch das digitale Arbeiten und Administrieren eine Rolle spielt.

Schulleiter Jürgen Wolf freut sich: „Unsere FSJ-ler sind Teil unseres Kollegiums, sie sind Teil eines multiprofessionellen Teams und liefern einen wichtigen Beitrag zum Gelingen von Schule.“ - Die beiden Freiwilligen stellten sich einigen Fragen im Interview.

 

Wie liefen die ersten Wochen für euch, was waren eure Aufgaben, wie habt ihr die gemeistert?

Sebastian: „Aufgrund von Corona ergaben sich schon zwei Wochen vor dem offiziellen Schulbeginn vielfältige Tätigkeiten, die sowohl für die Schule wie auch für uns etwas Neues waren. Die Schule musste für die Umsetzung des Corona-Konzepts präpariert werden. Farbige Markierungen verschiedener Klassenstufenbereiche auf dem Pausenhof und im Schulgebäude und eine klare Wegeführung für die einzelnen Klassen, da hat sich Konrektor Robin Pitsch einige Gedanken gemacht.“

Céline: „Und wir haben geholfen, das mit farbigen Klebebandmarkierungen vor Ort umzusetzen. Ebenfalls haben wir im Vorfeld geholfen, um die 2.000 neue Schulbücher, deren Anschaffung wegen der neuen Bildungspläne angeschafft werden mussten, zu registrieren, zu stempeln, zu katalogisieren und ausgabefertig zu machen.“


Wo bringt ihr euch aktuell ein? 
Beide: „Aktuell leisten wir den Lehrern volle Unterstützung im Unterricht indem wir bei Schülern individuell erklären und helfen, wie man an die Aufgaben herangeht. Da besteht bei vielen wirklich der Bedarf einer eins-zu-eins-Betreuung, zumindest zeitweise. Wir durften sogar – natürlich im Beisein der Lehrkräfte – sogar schon selbst einmal Unterricht planen und durchführen. Darüber hinaus bieten wir Hausaufgabenbetreuung für die Unterstufe an. Hierbei unterstützen wir die Schüler/innen und fördern sie. Überdies helfen wir, digitale Projekte im neuen HeussLab der Schule, einem digitalen Lernlabor, für die Klassen zu planen, durchzuführen und nachzubereiten, z.B. im Videoschnitt“

Sebastian: „Als FSJ-ler für Digitales bringe ich mich vermehrt auch in diesem Bereich ein, indem ich bei der Tablet-Verwaltung helfe, was mitunter ziemlich viel ist, da die Schule auch viele IPads für ihre tägliche Arbeit besitzt. Daneben bin ich auch im Fach Medienbildung vor allem bei den Fünfern dabei.

Celine: „In den ersten Wochen, als die Stellen der Schulsozialarbeiter noch nicht besetzt waren, haben wir auch diese Funktion ein bisschen erfüllt. Es gab viele Kinder, die mit uns sehr vertrauensvoll geredet haben und wir haben natürlich dort geholfen, wo wir konnten. Aktuell unterstützen wir die neuen Schulsozialarbeiter Tim Molina Ruiz und Annika Heck z.B. in den SuM-Stunden (Soziales und Methodisches), in denen viel für die Klassengemeinschaft gemacht wird und soziale Strukturen gestärkt werden.“

Wie beschreibt ihr euer Arbeitsumfeld, wie wirkt es auf euch? Kollegen, Schüler, Gebäude, Umgebung, Schulkultur...?

Beide: „Wir empfinden das Schulleitungsteam, das Kollegium und die Schüler äußerst hilfsbereit, freundlich und offen. Gerade in Zeiten von Corona, in der die Umsetzung des klassischen Sportunterrichts in der Halle (die Harbighalle müssten sich insgesamt vier Schulen aller Klassenstufen teilen) sich schwierig gestalten lässt, bietet die Umgebung der Schule genügend Raum für Alternativen wie beispielsweise das Gartenschau- oder das HÖP-Gelände mit großen Grünflachen und einem Spielplatz. Hier begleiten wir manche Sportlehrer, die hier ihren Unterricht hinverlegen, da das Verlassen des Schulgeländes dann als Ausflug gilt und dann eine weitere Aufsichtsperson dazumuss.“

Wie erlebt ihr Corona und den Umgang an der THRS? Habt ihr Vergleichswerte, z.B. aus der Zeit, als ihr im letzten Jahr noch selbst Schüler wart?

Beide: „Das Thema Corona wird an der THRS äußerst ernst genommen und entsprechende Maßnahmen, die sich Schule überlegt, werden auch recht konsequent umgesetzt. Dazu zählen sowohl eine neue Läuteordnung, die gestaffelte Schulbeginn- und Pausenzeiten regelt als auch die verschiedenen Klassenstufenbereiche im Schulgebäude und auf dem Pausengelände als auch Laufwege – alles zur Reduzierung von Kontakten.“

Wie beurteilt ihr den Stand der Digitalisierung an der THRS? – das ist ja auch in Zeiten von Corona bedeutsam.

Sebastian: „Auf der Ebene der Digitalisierung finden wir, ist die THRS sehr gut aufgestellt und hat unseren Erfahrungen nach einen großen Vorsprung gegenüber anderen Schulen – z.B. jenen, an denen wir selbst waren. Neben AppleTVs und Beamer in jedem Klassenzimmer, einem Tablet für jede Lehrkraft und dem digitalen Klassenbuch verfügt die Schule sogar über ein eigenes digitales Lern- und Projektlabor: das „HeussLab“. Hier können sich Schüler/innen aller Klassenstufen in Projekten vor der Greenscreenleinwand, am Mikrofon im Podcaststudio oder an Computern selbst ausprobieren und kreativ werden. Daneben gibt es PC- und Tabletklassen und zahrleiche iPads, die Lehrkräfte im Unterricht mit Klassen nutzen können.“

 

Was war ein positives Erlebnis bislang an der THRS?

Céline: „Äußerst positiv haben wir die Art und Weise in Erinnerung, in welcher wir in den ersten Tagen empfangen wurden. Sofort sah man uns als Teil des Kollegiums an und übertrug uns Verantwortung, was uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellte und immer noch stellt und den Schulalltag spannend gestaltet.“

 

Wieso würdet ihr z.B. künftigen Abschlussschülern mit Abitur oder Realschulabschluss ein FSJ an einer Schule empfehlen?

Sebastian: „Ein solches FSJ an einer Schule legen wir denjenigen ans Herz, denen es wichtig ist, Einblick durch möglichst viel Selbstständigkeit wie auch Vielfältigkeit in den Beruf des Lehrers zu gewinnen. Dabei ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man en eine Schule kommt, die auf persönliche Wünsche eingeht – das zumindest empfinde ich so an der THRS.“

Céline: „Grundsätzlich kann man ja noch woanders FSJ machen, z.B. in Vereinen. Wichtig ist, dass man dieses freiwillige soziale Jahr mit Motivation absolviert und eben auch in einem Bereich, den man näher kennenlernen will – vielleicht als Orientierung für später.“

Wie kamt ihr zu dem Berufswunsch Lehrer und wie wirkt sich euer FSJ darauf aus?

Céline: „Ich habe mich schon immer für den Beruf des Lehrers interessiert, da ich große Freude an der Arbeit mit Kindern bzw. Jugendlichen habe, vor allem, sie auf ihrem Weg zu begleiten, indem ich ihnen Wissen vermitteln kann und mit ihnen kreativ sein kann. Im Vordergrund steht für mich, den Schüler/innen den Spaß am Lernen und die Motivation zum Lernen durch kreatives und abwechslungsreiches Arbeiten zu vermitteln. Den Wunsch des Lehrerseins wollte ich durch mein FSJ noch einmal für mich selbst bestätigen, um auch einmal die Praxis zu erleben. In der Praxis habe ich gelernt, dass vor allem Verantwortung, Durchsetzungsvermögen und soziale Kompetenzen im Umgang miteinander nötig sind, um im Schulalltag souverän zu sein. Ich persönliche würde die Entscheidung ein FSJ zu machen, immer wieder treffen, da ich schon in den ersten Wochen unglaublich viel Einblick in den Beruf des Lehrers gewonnen habe, viel selbstständig ausführen durfte und mich somit selbst entfalten konnte. Mit jedem Tag an der THRS, bestärkt sich mein Wunsch Lehrerin zu werden.“

Sebastian: „Als ich hier an die Schule kam, spielte ich mit dem Gedanken Lehrer zu werden. Und - um es kurz zu machen - meine Entscheidung ist noch nicht gefallen, da ich mich neben Lehramt noch für andere Studiengänge interessiere. Ich habe mir den Lehreralltag in erster Linie kurzweilig vorgestellt und diese Vorstellung hat sich nach den ersten Wochen auch direkt bewahrheitet. Auch die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hier bereitet mir nach wie vor eine Menge Spaß und ich gehe gerne morgens zur Arbeit. Allerdings ist der Lehrerberuf weitaus mehr als nur kurzweilig: durch meine Schulzeit hatte ich zwar schon erste Eindrücke gewonnen, allerdings ergeben sich mit dem Perspektivenwechsel noch völlig andere Aspekte als die bisher gekannten. Gerade weil diese eben nicht nur ausschließlich positiv sind, liefert mir mein Freiwilligendienst an der THRS eine gute Basis, um über meine Zukunft zu entscheiden. Dafür bin ich jetzt schon sehr dankbar und ich freue mich auf den weiteren Verlauf des Schuljahres.“

Welche Vorstellungen bewahrheiten sich, was ist anders, als ihr es euch vorgestellt habt?

Beide: „Wir hatten durch unsere eigene Schulzeit bereits eine Vorstellung des Lehrerberufs:  Unterrichtsvorbereitung, die anschließende  Durchführung des Unterrichts, Vorbereitung von Klassenarbeiten und auch Tests und deren Korrektur, Kopieren, Tackern, Lochen und natürlich Telefonate und Gespräche mit den Eltern und noch vieles mehr. Vor allem hat uns aber erstaunt, wie viel Aufwand tatsächlich hinter einer Stunde steckt. Dies haben wir selbst beim Vorbereiten einer Doppelstunde in Deutsch erfahren, die wir sozusagen als Experiment halten durften. Der Alltag eines Lehrers ist definitiv nicht immer leicht, sehr stressig, jedoch aber sehr vielfältig und niemals langweilig, da es immer wieder neue Aufgaben und auch Herausforderungen für einen bietet.“