Wenn es nach den Jugendlichen im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen gegangen wäre, dann sähe die politische Zukunft der verschiedenen Kandidaten und Akteure womöglich anders aus. Olav Gutting (CDU) wäre mit 17% der Erststimmen raus mit aus dem Bundestag, er müsste sein Direktmandat aus dem Wahlkreis an Neza Yildirim (SPD, 25,4%) abgeben – selbst Christopher Gohl von der FDP läge mit 20,6% vor ihm.

Dieses Ergebnis kam bei der Juniorwahl heraus, das im Internet unter https://www.juniorwahl.de/juniorwahl-btw-2021 abrufbar ist. Diese für Jugendliche organisierte Wahlsimulation findet immer parallel zu allen Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen deutschlandweit statt. Dabei können die Schülerinnen und Schüler eine eigene Wahl mit denselben Parteien und Kandidaten realitätsnah durchführen. Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch im Unterricht auf die Themen Demokratie und Wahlen vorbereitet. Gleichzeitig weckt die Juniorwahl das Interesse an Politik, Teilhabe und den Prozessen der demokratischen Willensbildung.

Auch das Zweitstimmenergebnis der Juniorwahl im Wahlkreis Bruchsal-Schwetzingen fällt im Vergleich zum Ergebnis der „echten“ Wahl etwas aus dem Rahmen. Stimmenkönig ist mit 24,2% die FDP, gefolgt mit 20,8% von der SPD. Den dritten Platz belegen die Grünen (16%) und erst auf dem undankbaren 4. Platz die CDU (12,2%). Linke und AfD sind beide mit um die 7% fast gleichauf. Und immerhin wählt mehr als jeder zehnte Jugendliche eine der kleineren Parteien, die landläufig unter sonstige fallen.

Bei der Juniorwahl geht es um das Üben und Erleben von Demokratie. Zunächst steht das Thema „Demokratie und Wahlen“ auf dem Stundenplan – abschließend geht es dann an die Wahlurne. Das Ergebnis wird immer am Wahlsonntag um 18.00 Uhr veröffentlicht – so auch vergangenen Sonntag zur Bundestagswahl. Die Wahlsimulation ist ein Angebot zur politischen Bildung und kostenlos für die teilnehmenden Schulen – und von diesen haben schon einige mitgemacht: 1,4 mio Jugendliche in ganz Deutschland waren an den Teilnehmerschulen registriert und damit wahlberechtigt, 1,1 mio haben die Wahlsimulation mitgemacht, das entspricht einer Wahlbeteiligung von rund 81%.

Das Projekt wurde mehrfach von verschiedenen Universitäten mit folgenden wissenschaftlichen Erkenntnissen untersucht. So wurde beispielsweise nachgewiesen, dass die Juniorwahl eine Erhöhung der Wahlbeteiligung der beteiligten Eltern um durchschnittlich 4 Prozent, teilweise um bis zu 9 Prozent – vor allem in bildungsfernen Familien, mi sich brachte. Überdies sinkt der Anteil der Nichtwähler/-innen bei den Erstwähler/-innen von 22 auf unter 7 Prozent. Hauptprofiteure sind dabei nicht-gymnasiale Schulformen, da dort der Wissenszuwachs über das Wahlsystem aber auch die Auseinandersetzung über Parteien und Politik am größten ist. In Bremen konnte 2011 anhand der repräsentativen Wahlstatistik nachgewiesen werden, dass aufgrund der Juniorwahl die Wahlbeteiligung bei den 16- und 17-Jährigen um 9,2 Prozent gestiegen ist.

 

Hier die Übersicht der Wahlergebnisse der Juniorwahl (Wahlkreis, Bund)