(c) Schwetzinger Zeitung vom 28. Juli 2022, Matthias Mühleisen. Wer eine große Verantwortung nach vielen Jahren abgeben kann, sollte eigentlich erleichtert nach Hause gehen. Bei Jürgen Wolf klappt das nicht ganz. Der langjährige Rektor der Theodor-Heuss-Realschule hat am Mittwoch schwer beladen seine Wirkungsstätte verlassen: Alle Schüler haben im Bildende-Kunst-Unterricht mindestens einen Kiesel bemalt und gestaltet – Wolf durfte alse 700 bunte Kieselsteine mit Wünschen und Bildmotiven heim nach Malschenberg tragen.

Energie hat der scheidende Schulleiter dafür ganz sicher aus der Wertschätzung bezogen, die ihm sämtliche Redner bei seiner Verabschiedung – von der Schülermitverantwortung über die Elternvertretung, Kollegium bis zum Schulamt – entgegenbrachten.

Fast 24 Jahre hat Jürgen Wolf an der THRS gewirkt, davon über 20 Jahre als „Oberboss“, wie es Konrektor Robin Pitsch in einer gereimten Abschiedsrede formulierte. Pitsch machte es den Schülern, die die Aula ringsum füllten, unmissverständlich klar: „Ihr bekommt von der Arbeit der Schulleitung nicht allzu viel mit, aber seid versichert – euer Rektor hat bis zum letzten Tag einen Superjob gemacht.“ Der tosende Jubel durfte wohl als Zustimmung interpretiert werden.

Kurzfristige Umbenennung

Die hatten Wolf zum Auftakt aus Hunderten Kehlen ein Abschiedslied dargeboten: Auf die Melodie von „Bella Ciao“ sangen sie mit ihren Lehrkräften „Wolfi Ciao“. Und hätten wohl auch nicht protestiert, wenn die von Robin Pitsch verkündete Umbenennung ihrer Lehreinrichtung in „Jürgen-Wolf-Realschule“ für länger als die unterhaltsame Feierstunde gegolten hätte. Ein Schild mit Schul-Logo ganz nah am THRS-Original prangte hinterm Stuhl, auf dem Wolf mitten in der Aula Platz nehmen durfte.

Während der 66-Jährige dieses als Erinnerung überreicht bekam, bleibt ein anderer Name der Schule erhalten: Der vordere Schulhof heißt ab sofort „Jürgen-Wolf-Platz“, teilte Robin Pitsch mit, der sich wortgewandt mit den zahlreichen Aufgaben befasste, die der bis dato dienstälteste Schulleiter Hockenheims im Lauf seiner Amtszeit zu erfüllen hatte – vom Gestalten bis zum Verwalten, vom Erziehen bis zum Umziehen.

„Eine Ära geht zu Ende. Sie haben der Schule Ihren Stempel aufgedrückt – und das ist gut so“, stellte Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg fest und übermittelte Wolf den Dank von Oberbürgermeister Marcus Zeitler, Gemeinderat und Stadtverwaltung. Mit seiner anpackenden Art und seinem Führungsstil, der sich stets durch Schülernähe ausgezeichnet habe. habe er gezeigt, dass nur im Miteinander ein Vorankommen möglich ist.

„Haben sich um alle gekümmert“

Schulamtsdirektor Heiko Mail vom Staatlichen Schulamt Mannheim bestätigte, dass Jürgen Wolf in seiner Arbeit als Rektor immer das Beste für die Schüler herauszuholen bemüht war. Mail ist Experte: Von 2012 bis 2017 arbeitete er als Konrektor der Theodor-Heuss-Realschule an Wolfs Seite und hob dessen Humor und Talent hervor, das Konstruktive in Gesprächen zu betonen.

„Sie haben sich um alle gekümmert“, bescheinigte die Vorsitzende des Elternbeirats, Michiko Riesz, dem langjährigen THRS-Rektor und sagte: „Jeder ist durch Sie ein besserer Mensch geworden.“ Wolf hinterlasse ein großes Vermächtnis, er sei auch unter Druck, etwa in Corona-Zeiten, immer ruhig geblieben und habe ein stressfreieres Lernen ermöglicht.

Die Schülermitverantwortung (SMV) brachte Leben in die Abschiedsfeier, indem sie zu einer Quizshow zwischen „Team Wolf“ und „Team Pitsch“ einlud, in der jeweils drei Mitwirkende unter Beweis stellen mussten, wie gut sie sich an der Schule auskennen. Moderiert von Titus Frey und Auresa Zhregova, war zunächst „Dingsda“ angesagt: Die Kandidaten mussten anhand der per Video eingespielten Beschreibung von Fünftklässlern Begriffe erraten.

Beim „Schulleitungsduell“ galt es aufzulisten, was auf Beliebtheitslisten der Schüler ganz oben steht. Dass der IT-Saal noch vor Toiletten und Tischtennisplatte rangiert, war beiden Teams nicht bewusst, dafür hatten alle das Handy als wichtigsten Ausstattungsgegenstand auf dem Schirm (neben Kugelschreiber und Deo). Beliebteste Produkte am Verkaufsstand sind Brezel, Eistee und Pizza. Bei „Wer weiß denn sowas“ lag Wolf mit der Gesamtzahl der Stufen in der THRS gut – es sind 187. Die Schlusseinblendung zeigte ein Bild von Kandidat Jürgen Wolf mit dem Spruch „Vielen Dank für Ihre Arbeit!“

Der Rektor bedankte sich seinerseits für die angenehmen Quizfragen, erinnerte sich an desaströse Theodor-Heuss-Fragen zu seinem Einstand und wünschte zum Abschied, dass alle den Beruf erreichen, den sie sich wünschen: „Ich wart tolle Schüler, tschüss, macht’s gut!“