Nein, die beiden jungen Menschen, die während der großen Pause zwischen neuen Fünftklässlern und einigen in ihrer Kommunikation unwirsch wirkenden Achtklässlern stehen und von diesen interviewt werden, sind keine Schüler. Nein, der 18-jährige Tom Weller und die 19-jährige Kim Seibert sind die derzeitigen FSJ-ler.

„Was macht ihr hier?“, müssen sie in den ersten Schultagen den fragenden Schülerinnen und Schülern der THRS beantworten – immerhin: sie wirken zu jung um als Lehrkraft durchzugehen, aber eben auch zu alt, um noch Schüler zu sein. Ihre Antworten sind vielfältig.

Unterstützung in der Schulbuchregistratur und -ausgabe bereits vor Beginn des Schuljahres, pädagogische Unterstützung in den Klassen, sowohl im Klassenlehrer-, als auch im Fachunterricht, Ansprechpartner in den großen Pausen für die Geräte des Spielehauses, Mitaufsicht in den Mittagsstunden, Begleitperson bei großen oder kleinen kurzfristigen außerschulischen Veranstaltungen und Lerngängen.

„Unser Einsatz ist ganz vielfältig“, sagt Tom Weller. Er absolviert ein FSJ-digital. Zu den anderen vielfältigen Aufgaben liegt bei ihm der Fokus auf allem Digitalem. Da ist er an der THRS auch richtig: I-Pads müssen verwaltet und mit Schülern, z.B. in den Klassen des IT-Zuges, im Unterricht eingesetzt werden. Zudem wartet ein umfassend eingerichtetes digitales Lernlabor, das HeussLab, auf den Einsatz. „Im Schuljahr sollen alle Klassenstufen ein bis zwei digitale Projekte absolvieren, vom Greenscreen über Podcast zur Virtual Reality“, sagt Manuel Altenkirch, der das HeussLab mitaufgebaut hat. „Dabei setzen wir auf Toms Einsatz.“ Das FSJ nutzt der junge Oftersheimer als Berufsorientierung: er erwägt das Berufsziel Lehrer. „Durch ein FSJ bekommt man bei den Hochschulen wichtige Punkte, die das Abiturzeugnis ergänzen und das Studium begünstigen“, weiß er. Er freue sich auf ein spannendes und vielseitiges Jahr an der THRS. „Der erste Eindruck ist gut“, findet er. Das gesamte Schulteam mit Lehrerkolleginnen und -kollegen sowie Verwaltungskräfte, Sozialarbeiter sowie Hausmeister seien offenherzig und wertschätzend

Seine Kollegin Kim Seibert kennen auch die meisten Lehrkräfte noch. Sie ist auch einigen älteren Schülerinnen und Schülern gar nicht so unbekannt. Denn Kim Seibert war bereits an der THRS, allerdings als Schülerin, und absolvierte 2019 ihren Realschulabschluss – übrigens genau in dem Jahr, als sie Schülersprecherin war. Nun ist sie wieder da. Nun mit einer anderen Perspektive und Zielsetzung. Denn die junge Hockenheimerin strebt das Lehramt für die Sekundarstufe I an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg an – ihr Berufswunsch ist Lehrerin – Realschullehrerin. Das FSJ hat sie ganz bewusst gewählt. „Ich möchte Erfahrung sammeln und noch vor dem Studium wissen, ob der Job für mich geeignet ist“, sagt sie. „Ich will nicht am Ende eines Studiums vor einer Klasse stehen, um festzustellen, dass dies der falsche Job ist. Und um dies festzustellen will ich Erfahrungen aus erster Hand an der pädagogischen Front sammeln.“ Bislang macht ihr das FSJ Spaß. Sie gehe gerne in Klassen mit, unterstützt die Klassen- und Fachlehrkräfte im Unterricht, ist Ansprechpartnerin bei Verstehensproblemen und hilft mit, den Unterrichtsalltag zu organisieren.

Hinzu kommt die Unterstützung der FSJ-ler im Sekretariat, das aktuell wegen Krankheit nicht regulär besetzt ist. Hier werden sie – natürlich neben der Schulleitung – auch von Céline Fontaine unterstützt. Die Lehramtsstudentin (es ist gerade vorlesungsfreie Zeit) hatte vor zwei Jahren ihr FSJ an der THRS gemacht und hilft kurzfristig aus, da sie einige Abläufe von damals noch gut kennt. Auch die neue Realschulrektorin Marion Marker-Schrotz ist trotz des Einschnitts im Sekretariat guter Dinge: „Die drei machen einen guten Job! Wir sind dankbar, dass das dieses Jahr geklappt hat.“ Dies zeige, dass die Stadt Hockenheim ihre Realschule gut unterstützt, da das FSJ offiziell über die Stadt gemanagt wird.

Zwei Wochen sind seit Schulbeginn ins Land gegangen. „Bereut haben wir noch gar nichts“, sagt Tom. „Wir sind eher gespannt auf das was kommt.“ Und Kim Seibert freut sich: „Ich fühle mich in meinem Berufswunsch bestätigt. Und wenn man dann auch von gestandenen Lehrern gelobt wird, dass man etwas gut gemeistert hat, dann tut das richtig gut.“