Notwendig wie nie zuvor, aber Luxus in manchen Kommunen: Schulsozialarbeit. Diese Instanz für Schülerinnen und Schüler, die für ihre schulischen aber eben auch familiären, freundschaftlichen und privaten Probleme da ist und ein offenes Ohr hat, ist nicht selbstverständlich – aber nötig. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Probleme der Jugendlichen (auch durch Corona) nicht weniger geworden sind, sondern im Gegenteil.

Die Stadt Hockenheim leistet sich an allen Grund- und weiterführenden Schulen Schulsozialarbeiter, die über den Postillion e.V. koordiniert werden. Eine gute Investition – im interkommunalen Vergleich halten nicht viele Städte und Gemeinden ein solches Angebot aufrecht, seit sich das Land Baden-Württemberg weitgehend aus der Finanzierung zurückgezogen hat und den Kommunen überlässt, ob sie ein solches Angebot leisten wollen oder können oder eben nicht. Hockenheim tut es!

„Die Stadt Hockenheim leistet sich mit einer funktionierenden Schulsozialarbeit keinen Luxus, sondern sie sieht deren Notwendigkeit. Das ist ein wichtiges Zeichen!“, freut sich Schulleiterin Marion Marker-Schrotz über ihre Schulsozialarbeit nicht zuletzt an ihrer Schule. Diese sei nicht nur eine enorme Bereicherung, sondern auch eine Gegenbewegung zu den sozialen Schieflagen in der Gesellschaft. Sie sei schlicht und einfach notwendig.

An der Theodor-Heuss-Realschule sind es die beiden Schulsozialarbeiter Kimberly „Kim“ Angeletti und Tim Molina Ruiz, die als Instanz „außerhalb des Schul- und Unterrichtsbetriebs, aber in der Schule“ (das ist den beiden wichtig, zu erwähnen) sich um die Schüler und deren Probleme kümmern.

Tim Molina Ruiz ist eigentlich ein alter Hockenheimer, ein „Heussler“ durch und durch. Er selbst war früher an der THRS, hat einige Lehrer, die heute noch unterrichten, selbst als Schüler gehabt – darunter Rektorin Marion Marker-Schrotz. Aber viel reden will er nicht über seine alte Schulzeit. „Ich war jetzt nicht so der Vorzeigeschüler“, sagt er über sich selbst – und seine ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer würden dem auch nicht widersprechen.

Der groß gewachsene, junge Mann, der seine langen Haare stets mit einem Zopf zusammenhält, kommt cool rüber. Er ist ein guter Ansprechpartner – für beide: Jungen und Mädchen. Der studierte „Bachelor Soziale ArbeitSozialpädagogik“ hat eine ruhige Art. Er fragt viel, versucht darüber Probleme herauszukristallisieren. Oft gelingt es ihm. Knapp 4300 Einzelgespräche haben er und seine Kollegin im letzten Schuljahr geführt. Eine große Zahl. „Und bei solchen Gesprächen geht es nicht um kleine Befindlichkeiten, sondern um richtige Probleme, die auch einen Erwachsenen aus der Bahn schmeißen würden,“ sagt er.

In seiner bisherigen beruflichen Vergangenheit hätten Probleme von der Aufkündigung einer Freundschaft, Magersucht bis zu familiärer Gewalt oder angekündigtem Suizid eine Rolle gespielt. „Es ist einfach wichtig, dass Kinder und Jugendliche jemanden haben, dem sie sich professionell und vor allem vertraulich zuwenden können. Denn Freunde, Familie und Lehrkräfte wirken ja auch immer in einem anderen Kontext auf die Kinder ein“, meint er. Ihm ist wichtig, dass Schulsozialarbeit grundsätzlich eine Verschwiegenheitspflicht unterliege, auch und vor allem gegenüber Lehrkräften und Eltern. Ebenso wichtig ist es ihm aber auch zu betonen, dass auch Lehrkräfte und vor allem Eltern sein Angebot wahrnehmen können.

Seine Kollegin Kimberly Angeletti ist nicht nur Schulsozialarbeiterin, sie ist auch im psychotherapeutischen Umfeld aktiv gewesen. Die Erfahrungen hat die qualifizierte „Master Psychosoziale Beratung & Therapie“ unter anderem in einer Praxis in Speyer unter Beweis gestellt., theoretisch könnte sie auch Mitarbeiterin in einer kinderpsychotherapeutischen Praxis sein . Ihre Erfahrung und Ausbildung sind im Schulbetrieb ein absolutes Plus.

Die Beeinträchtigungen der Kinder seien während Corona gewachsen, aber auch schon davor waren psychosoziale Beeinträchtigungen von Kindern und Jugendlichen er zunehmend. Besonders herausfordernde Themen sind für sie Probleme im Elternhaus, Verhaltensstörungen (v.a. Magersucht bei Mädchen oder Social-Media-Abhängigkeit) oder aber Depressionen bei Kindern und Jugendlichen. „Die digitale Welt von Smartphones und Social Media sind ganz oft Dreh- und Angelpunkt von Konflikten oder Unwohlsein“, sagt sie. „Und das fängt mittlerweile früh an. Fünft- und Sechstklässler sind bereits Smartphone-abhängig“, berichtet sie. Darüber hinaus machen fehlende gelernte Umgangsformen im Schulalltag das Leben schwer, sodass vermehrt Schülerinnen und Schüler bei der Schulsozialarbeit auflaufen.

Dagegen hat Kim Angeletti einen Ansatz gewählt. Die gebürtige Pfälzerin und Hundefreundin hat ihren knapp zwei Jahre alten Australian-Shepard-Hund „Theo“ (nicht zufällig trägt er an der THRS diesen Namen) zum Schulhund ausbilden lassen. Und siehe da: wenn Kim mit Theo den Raum betritt, dann ist es still, dann sind die Kinder voll und ganz auf den Hund fixiert, wollen seine Aufmerksamkeit. Aber zum Glück ist Theo umgänglich und kinderlieb – und er lässt sich nicht von den dreißig verschiedenen Theo-Rufen beeindrucken. Er geht dahin, wo ihn sein Interesse und seine Nase hinträgt – und in der „Einzeltherapie“ mit Schülern ist er immer dort, wo er wittert, dass seine weiche Wuscheligkeit ein aufgewühltes Kinderherz aufmuntern kann.