Eine triste und bedrückende Stimmung ist eigentlich nicht das, was man gerne auf einer Abschlussfahrt hat. Doch für die 10c und 10d hatte dies an einem Mittwochmorgen einen ziemlich triftigen und wichtigen Grund. Auf der Klassenfahrt, die die beiden Klassen nach München unternahmen, bevor Ende Januar die praktischen Prüfungszeiträume beginnen, stand neben der Münchner Altstadt, den Bavaria Filmstudios oder einer Virtual-Reality-Zeitreise eben auch ein Pflichtbesuch in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau an.

„Dachau ist Pflichtprogramm, wenn man das erste Mal in München ist. Es ist kein schöner Ort, aber die deutsche Geschichte lässt sich halt nicht ausblenden. In Deutschland muss man sich mit dem Thema auseinandersetzen und man muss es aushalten, sagen die beiden Klassenlehrer Michael Daub und Michael Herzog, die die die Abschlussfahrt organisiserten.

Viel interessante Fakten gab es zum ehemaligen Konzentrationslager Dachau, das als eines der ersten Konzentrationslager zunächst für politisch Verfolgte und dann mit seinen rund 300 mal 600 Meter kasernenartig angeordneten Gefangenenunterkünften als „Musterlager“ und organisatorische und bauliche Blaupause für die etwas später im Osten errichteten Vernichtungslager wie Auschwitz, Treblinka oder Sobibor gilt.

Bemerkenswert war die Geschichte, dass zur Zeit der Lagererrichtung vor den Toren Dachaus die damalige Bevölkerung positiv auf das Lagerleben eingestellt war, erhoffte man sich doch nach den entbehrungsreichen 20er Jahren einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Konsum im Lager. Auch die direkt nebenanliegende SS-Kaserne sahen die Einwohner positiv, das zumindest zeigten alte Zeitungsartikel aus den 30er Jahren. Und nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde das Lager bis in die 60er Jahre weitergenutzt – als Unterkunft für Flüchtlinge, z.B. aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die bei den Dachauern gar nicht willkommen waren. Und so taten sich dann schon die einen oder anderen Parallelen zu heute auf. Die alte SS-Kaserne direkt neben dem Lager wird übrigens heute von der bayerischen Polizei als Standort genutzt.

Da in Dachau weitaus weniger Menschen ums Leben kamen, als in den Vernichtungslagern im Osten wurde von „nur“ rund 42.000 Todesopfern gesprochen. „Stellt euch vor ganz Hockenheim, Reilingen, Altlußheim und Neulußheim zusammen – so viele Menschen starben in Dachau“, zog Geschichtslehrer Herzog einen Vergleich, um diese absolut hohe Zahl fassen zu können.

Beeindruckend waren dann auch die teilweise noch originalen oder nachgebauten Gebäude. Die Schlafbaracken der Insassen, von denen zwei stehen, die viel zu engen Zellen, in die die Menschen je nach Willkür der Soldaten gesteckt und misshandelt wurden und das Gaskammergebäude, mit seinen davorgeschalteten Umkleidebereichen, dem „Brausebad“ und den nachgeschalteten Leichenverbrennungsöfen. Der Kummer, die Traurigkeit, das menschliche Verbrechen war auf dem Gelände fast greifbar. „Und weil die SS-Soldaten auch bei Entsorgung der Asche wie auch bei allem anderen jegliche Pietät vermissen ließen und diese teilweise einfach hinters Haus oder auf die Erde gekippt wurde, befinden wir uns eigentlich auf einem großen Friedhof“, erfuhren die Schülerinnen und Schüler.

Der Eindruck dieser Unmenschlichkeit auf deutschem Boden wird ihnen in Erinnerung bleiben und die Bedrückung, die Ungerechtigkeit, die Trauer, die mit diesem und anderen Orten verbunden sind. Aber die deutsche Geschichte lässt sich halt nicht ausblenden.