Die Theodor-Heuss-Realschule bietet für ihre Schüler verschiedene Profile an, in denen die Schüler in ihrem Schulleben entsprechend gefördert, aber auch gefordert werden. Eines dieser Profile ist der bilinguale Zug, in dem die Schüler verstärkt Englisch als Sprache nutzen. Neben weiteren Sachfächern, wie z.B. Biologie oder Erdkunde, ist ein wichtiger Baustein für die Schüler die „Language Farm“.

Auf diesem Bauerhof auf einer Bergkuppe nahe dem thüringischen Orlamünde bekommen die Schüler einen einwöchigen Praxis-Crashkurs in Sachen englisch Sprechen und englischsprachiger Kultur, so auch die Klasse 6b in der letzten Woche.

Die Schüler unternehmen in Kleingruppen verschiedene Projekte, von der Gestaltung eigener Mini-Marterpfähle über einen Bongo-Kurs bis hin zur Zubereitung von Mittag- und Abendessen für die gesamte Klasse. Dabei stehen hier vor allem die Anwendung der englischen Sprache in alltäglichen Situationen im Vordergrund. Damit dieser Umgang auch gelingt, werden die Schüler durch englischsprachige Coaches betreut, sogenannte „native speaker“, mit denen es gar nicht möglich ist, deutsch zu sprechen. Die beiden begleitenden deutschsprachigen Lehrer der THRS müssen sich dabei (zumindest sprachlich) zurückhalten.

Die Coaches der „Language Farm“ bringen den Schülern auch landeskundliches Wissen nahe. Dabei ist es hilfreich, dass diese aus den verschiedensten Ecken der Welt kommen, in denen Englisch zum Alltag gehört: Somerset in England, Kalifornien, Tansania und Wales. Entsprechend groß ist auch die Varianz der Dialekte und der Aussprache. „Das zeigt den Kindern, dass Englisch in ganz vielen Varianten gesprochen werden kann und dass keine so richtig falsch ist. Das baut zusätzlich Sprachhemmungen ab“, sagt Sprach-Coach Leonard Matata aus Tansania, natürlich auf Englisch, das er selbst auch erst als Zweitsprache in der Schule lernte.

Mit seinen Kollegen organisiert er in dieser einen Aktivwoche nicht nur alle Mahlzeiten, die vorwiegend „vegetarian“ unter mithilfe der Schüler zubereitet werden, sondern auch Sportwettkämpfe in Cricket und Baesball oder auch „hikes“ (Wanderungen) mit anschließendem Fahnendiebstahl-Spiel „capture the flag“, das auch in deutschen Pfadfinderfreizeiten beliebt ist.

Englischlehrerin Dagmar Paris sieht diese Englisch-Kompaktwoche als elementar für den englischsprachigen Kompetenzerwerb: „Hier sprechen die Kinder englisch auch untereinander, sie erleben die Sprache mit allen Sinnen. Das kann kein Schulunterricht leisten. Hier lernt man die Sprache durch den Alltag.“

Auch die Schüler der 6b verinnerlichten ihr erworbenes Alltagsenglisch, so sehr übrigens, dass bei einer Rastpause in einem Imbiss während der fünfstündigen Rückfahrt ein Großteil der Schüler ihr Essen zunächst auf Englisch bestellte – sehr zur Verwunderung der hessischen Verkäuferin.