Schulhof der Theodor-Heuss-Realschule Hockenheim groß

Der ausgewählte Beitrag aus „Aktuelles und Nachrichten“…

Theater, das zum Nachdenken bewegt

Es kann nach einer Szene schon mal laut werden. Nicht etwa, weil die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 8 unaufmerksam oder die Theaterruhe stören wollen – im Gegenteil: nach den ersten Szenen wird deutlich: Hier geht es nicht um ein gewöhnliches Theaterstück. Indem das Schauspielteam von „Mensch: Theater!“ die Geschichte von Alia und Junis erzählen, wird aus Zuschauen Mitdenken und schließlich Mitdiskutieren – und die Schüler artikulieren ihre Sichtweisen deutlich.

Mit dem interaktiven Theaterstück „Ich gebe dir mein Ehrenwort“ war die Initiative „Mensch: Theater!“ an der Theodor-Heuss-Realschule zu Gast. Das Stück richtet sich an Jugendliche ab der achten Klasse und greift Themen auf, die viele junge Menschen unmittelbar betreffen: persönliche Freiheit, familiäre Erwartungen, Gleichberechtigung, Freundschaft, erste Beziehungen und die Frage, wie selbstbestimmte Lebenswege gelingen können. Dabei werden auch Konflikte thematisiert, die im Zusammenhang mit patriarchalischen Familienstrukturen und dem Konzept der sogenannten Familienehre entstehen können.

Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Alia und Junis, unter anderem gespielt von Tobias Gerstner und Canan Kir, die zwischen den Erwartungen ihrer Familie und ihren eigenen Zukunftswünschen stehen. Die dargestellten Konflikte reichen von Einschränkungen persönlicher Freiheiten über unterschiedliche Rollenbilder für Mädchen und Jungen bis hin zu Fragen von Partnerschaft, Vielfalt und Selbstbestimmung. Dabei vermeidet das Stück bewusst einfache Klischees und lädt stattdessen dazu ein, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und kritisch zu hinterfragen.

Einfach realistisch

Das Besondere an „Mensch: Theater!“ ist der interaktive Ansatz. Die Jugendlichen bleiben nicht passive Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern werden aktiv in das Geschehen einbezogen. Gemeinsam mit den Schauspielern diskutieren sie mögliche Handlungsalternativen, entwickeln Lösungsansätze und reflektieren die dargestellten Situationen.

Die Aufführung ergänzt die schulische Bildungs- und Präventionsarbeit auf besondere Weise. Themen wie Respekt, Toleranz, Gleichberechtigung und demokratisches Miteinander gehören zu den zentralen Aufgaben von Bildung und Schule. Theaterpädagogische Methoden schaffen dabei einen geschützten Raum, in dem auch schwierige Fragen offen angesprochen werden können. Formate wie „Mensch – Theater“ haben sich zum Ziel gesetzt, Social Skills zu fördern: Selbstbewusstsein, Sozialkompetenz, Perspektivwechsel und die Fähigkeit, festgefahrene Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen.

Viele Schülerinnen und Schüler beteiligen sich engagiert an den Diskussionen und bringen ihre eigenen Gedanken ein, denn die gezeigte Welt zwischen Social Media, Freundschaftskomplexen und familiären Rollen „ist einfach realistisch“, so ein Kommentar eines Schülers im Anschluss.