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Englisch aus erster Hand – Interview mit Fremdsprachenassistentin Hannah Wiggers
Seit diesem Schuljahr unterstützt Hannah Wiggers (21) als Fremdsprachenassistentin den Englischunterricht an der Theodor-Heuss-Realschule Hockenheim. In ihrer Heimat Großbritannien studiert Deutsch und Spanisch und sammelt im Rahmen während ihres Auslandsaustauschs praktische Unterrichtserfahrungen.
Sie arbeitet mit Schülerinnen und Schüler aller Klassen, gestaltet Sprechanlässe, Spiele zu Grammatik und Wortschatz und vermittelt britische Kultur. Besonders schätzt sie den bilingualen Unterricht: „Die Sprache wird hier mit einem Zweck gelernt – sie wird zum Werkzeug.“
Wir haben mit der sympathischen Engländerin gesprochen:
Hannah, wer bist du und was machst du hier an unserer Schule?
Hannah Wiggers: Ich bin 21 Jahre alt und studiere an der Universität Durham in England Deutsch und Spanisch mit dem Berufsziel, später Lehrerin an einer Sekundarschule in England zu werden. Die Arbeit als Fremdsprachenassistentin ist für mich der Praxisteil meines Auslandsjahres. Insgesamt bin ich acht Monate in Deutschland und gehe danach noch für sechs Monate nach Mexiko, bevor ich mein Studium abschließe.
Wie bist du an der Theodor-Heuss-Realschule Hockenheim gelandet?
Das Programm der Fremdsprachenassistenz läuft in Kooperation mit dem Pädagogischen Austauschdienst. Ich konnte die Region Süddeutschland auswählen und habe dann die Zusage für Hockenheim bekommen. Ehrlich gesagt musste ich erst einmal googeln, wo Hockenheim überhaupt liegt. Inzwischen wohne ich hier auch und fühle mich sehr wohl.
Du arbeitest auch mit den Bilingualklassen. Wie erlebst du dieses Konzept?
Die Bili-Klassen sind etwas ganz Tolles. So etwas gibt es in England gar nicht. Die Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, besonders gut mit der Sprache umzugehen und sie fast jeden Tag anzuwenden. Sie lernen nicht nur „Hallo“ oder „Ich wohne in …“, sondern sie lernen in Fächern wie Geschichte oder Biologie auf Englisch, die Sprache in der Praxis zu verwenden, zu verstehen und zu sprechen. Sie lernen die Fremdsprache mit einem kommunikativen Zweck – nicht einfach nur mit einem Buch. Die Sprache wird in verschiedenen Kontexten zum Werkzeug.
Was machst du konkret mit den Schülerinnen und Schülern im Unterricht?
Ich arbeite mit den Klassenstufen 5 bis 10 und mache ganz unterschiedliche Dinge. Wir spielen zum Beispiel Spiele zu Grammatik und Vokabeln, üben das Sprechen und führen Gespräche, damit die Sprache aktiv angewendet wird. Vor allem in den höheren Klassen spreche ich viel über britische Kultur, zum Beispiel über Schottland, Essen und Trinken in Großbritannien oder Traditionen wie die „Bonfire Night“ am 5. November. Viele Schülerinnen und Schüler wissen darüber vorher nur wenig oder gar nichts.
Außerdem leite ich eine Englisch-AG mit vier Schülerinnen und Schülern. Dort sprechen wir viel Englisch, lernen etwas über Kultur und beschäftigen uns zum Beispiel mit „Macbeth“. Mir ist wichtig, dass die Inhalte aus dem Buch lebendig werden und man sich in einer lockeren, positiven Lernatmosphäre traut, die Sprache auszuprobieren.
Welche Erfahrungen nimmst du aus deiner Zeit an der Schule mit?
Sehr viele! Ich habe viel über Lernmethoden, Materialien und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen gelernt. Ich habe viel positives Feedback zu meiner Unterrichtsdurchführung bekommen, was mich sehr motiviert hat. Außerdem habe ich viele neue Ideen gesammelt, wie man Unterricht gestalten kann, vor allem mit produktionsorientierten Methoden. Auch die Vorbereitung auf Kommunikationsprüfungen war für mich eine spannende Erfahrung.
Gab es auch Herausforderungen für dich?
Am Anfang hatte ich Angst, dass mein Deutsch nicht gut genug ist. Aber die Kolleginnen, Kollegen und die Schülerinnen und Schüler gehen sehr verständnisvoll damit um und schätzen meine Arbeit trotzdem.
Eine weitere Herausforderung ist, dass jede Klasse anders ist: Manche sind lebhafter, andere ruhiger. Mit manchen kann man mehr Witze machen, bei anderen ist die Motivation höher oder niedriger – besonders in der 10. Klasse merkt man das.
Begegnen dir die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb des Unterrichts, wenn du in Hockenheim unterwegs bist?
Ja, total! Auch wenn ich einkaufen bin und zufällig auf Schulkinder stoße, sprechen sie mich freudig auf Englisch an. Das ist einfach schön. Man merkt dann, dass die Hemmschwelle sinkt und Englisch für die Kinder mehr zum Alltag wird.
Was machst du in deiner Freizeit hier in Deutschland?
Ich habe viele neue Interessen und Hobbys entdeckt. Es gibt hier mehr Möglichkeiten als in England, vor allem was Konzerte und Musik angeht. Ich war zum Beispiel öfter in Freiburg bei Freunden auf Konzerten. Außerdem habe ich Kunsthallen und Museen besucht und gehe gerne spazieren – im Schwarzwald oder in Heidelberg.
Ich würde jedem Fremdsprachenstudierenden empfehlen, eine Zeit an einer Schule im Ausland zu verbringen. Man kann das Gelernte praktisch anwenden, die eigenen Sprachkenntnisse verbessern und gleichzeitig viel über die Kultur lernen. Spannend finde ich auch, dass die englische Kultur von deutschen Schülerinnen und Schülern oft anders wahrgenommen wird, als ich sie selbst wahrnehme.
Was war deine schönste Erfahrung hier an der Schule?
Eigentlich habe ich fast die ganze Zeit sehr genossen. Besonders schön fand ich die Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen. Am meisten freut es mich aber, wenn Schülerinnen und Schüler durch mich vielleicht ein kleines Aha-Erlebnis haben, mehr Motivation bekommen und den Mut finden, in einer Fremdsprache zu sprechen. Wenn jemand sich plötzlich traut, Englisch zu sprechen, ist das ein richtig schönes Gefühl.
Bilingual- und Englischlehrerin Ulrike Montag ergänzt:
Ich würde Hannah gerne länger dabehalten. Es ist einfach super, weil die Kinder ein authentisches sprachliches Vorbild haben. Die Kinder sind oft überrascht – auch wenn Hannah manchmal ihr gebrochenes Deutsch spricht. Wenn die Kinder Hannah auf dem Schulhof sehen, dann fangen sie automatisch an, Englisch zu sprechen. Hannah ist eine große Bereicherung. Leider wird sie nur bis Ende Februar bleiben.
Danke Hannah für das Interview und deine Zeit an der THRS!











