
Der ausgewählte Beitrag aus „Aktuelles und Nachrichten“…
Wie konnte es so weit kommen? – Theaterbesuch veranschaulicht die Mechanismen von Macht, Manipulation und Spaltung
Während der aktuellen Auseinandersetzung mit dem „Tagebuch der Anne Frank“ im Deutschunterricht entstanden bei der 9a zentrale Fragen: Wie konnte es zur Zeit des Nationalsozialismus zu solchen Verbrechen kommen? Warum haben so viele Menschen weggesehen? Und weshalb wurde das Leid der jüdischen Bevölkerung nicht gestoppt?
Deutsch- und Geschichtslehrerin Dr. Anke Schubert griff diese wichtigen Fragen auf, denn das Theaterstück „Die Welle“, basierend auf dem gleichnamigen Buch, greift genau diese Fragen auf – und versucht, Antworten zu geben, indem es zeigt, wie schnell Menschen Teil einer autoritären Bewegung werden können.
Der gemeinsame Besuch im Badischen Staatstheater Karlsruhe war für viele der Schülerinnen und Schüler der erste Theaterbesuch überhaupt. Umso überraschender war für viele, wie modern und mitreißend das Stück inszeniert war. Zwischen den Szenen wurden eindrucksvolle Videosequenzen gezeigt: Eine sich bewegende Welle, begleitet von elektronischer Musik, schuf eine intensive Atmosphäre und zog das Publikum unmittelbar in das Geschehen hinein.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Schülerinnen und Schüler auch von der authentischen Schauspielleistung. So sehr, dass selbst kleine Pannen Teil der Diskussion wurden: Als einem Schauspieler während einer Szene ein Handy herunterfiel und sich der Akku löste, war im Nachhinein nicht ganz klar, ob dies ein Versehen oder bewusst inszeniert war – ein Detail, das die Glaubwürdigkeit der Darstellung nur noch verstärkte.
Auch die sozialen Medien im Blick
Die Neuinszenierung des Stücks machte dabei deutlich, wie leicht sich die Mechanismen von damals in die heutige Zeit übertragen lassen. So verbreitete sich die Bewegung „Die Welle“ im Stück über soziale Medien wie TikTok, unterstützt durch auf der Bühne gezeigte Videosequenzen. Dies machte den Schülerinnen und Schülern besonders deutlich, wie relevant das Thema auch heute noch ist.
In der Nachbereitung im Unterricht wurde deshalb intensiv über die Rolle von sozialen Medien diskutiert – insbesondere über Fake News und gezielte Desinformation. Schon im Dritten Reich wurden Propaganda, Comics und falsche Nachrichten genutzt, um Hass zu schüren. Doch wie sieht das heute aus? Und wie können wir uns gegen Falschmeldungen im Netz schützen? – An dieser Stelle knüpft die Zusammenarbeit der Schule mit der Landeszentrale für politische Bildung an, die im Rahmen einer Projektwoche Workshops zum Thema Fake News für die siebten Klassen anbietet.
Schlussszene katapultiert das Stück in die Gegenwart
Ein weiterer spannender Diskussionspunkt ergab sich aus einer Abweichung zur Buchvorlage: In der Inszenierung ist der Lehrer, der das Experiment „Die Welle“ initiiert, homosexuell. Dies führte bei einigen Schülerinnen und Schülern zu Fragen über die Rolle seines Ehemanns und bot einen wichtigen Anlass, über Diskriminierung und gesellschaftliche Vielfalt zu sprechen.
Besonders eindrücklich war die Schlussszene des Stücks: In schneller Abfolge wurden Bilder aktueller Krisen gezeigt – unter anderem waren politische Figuren wie Donald Trump sowie Symbolbilder wie Ölfelder zu erkennen. Diese Bilder machten deutlich, dass die Themen Macht, Manipulation und gesellschaftliche Spaltung keineswegs der Vergangenheit angehören.
Der Theaterbesuch hat der Klasse 9a eindrucksvoll gezeigt: Auch wenn zwischen dem Dritten Reich, dem Experiment der „Welle“ und unserer heutigen Zeit viele Jahre liegen, sind die zugrunde liegenden Mechanismen aktueller denn je. Ein Besuch, der nicht nur unterhalten, sondern vor allem zum Nachdenken angeregt hat.











